Kolumne 8 - Fremde Länder - Fremde Sitten

Läufe im Ausland haben immer eine Portion Abenteuer in sich. Es muss nicht unbedingt ein ganz exotisches Ziel sein. Wettkämpfe in unseren Nachbarländern reichen da schon. Ich erinnere mich noch an wunderschöne Läufe wie in der Vorweihnachtszeit in Basel oder Zürich. Aber auch im Spätsommer gibt es viele Läufe in der Schweiz bei denen Sie Kultur und Wettkampfatmosphäre kombinieren können. In Großbrittanien zum Beispiel, gibt es diesen gigantischen Halbmarathon „Great North Run“ im Norden des Landes. Eigentlich nur übertroffen vom London Marathon, ist dieser mit über 40.000 Läuferinnen und Läufern gespickte Lauf ein richtiges Happening. Die Engländer gelten ja als ein bisschen seltsam, besser ausgedrückt, skurril und genauso muss man sich diesen Lauf vorstellen. Wer strahlenden Sonnenschein und Badewetter erwartet, der ist mit einem Wettkampf auf Mallorca besser bedient. Man läuft ja schließlich in England und das heißt in der Gegend um Newcastle, starker Wind und/oder Nebel, eventuell sogar Regen. Gelobt sei was hart macht!

Wer die exotische Variante wählt, sollte wissen, dass die dortigen Temperaturen für uns Westeuropäer schwer erträglich sind. Rund um die Uhr hohe Temperaturen gepaart mit hoher Luftfeuchtigkeit. In einem tropischen Land brauchen Sie etwa eine Woche zur Akklimatisierung. Wenn Sie also Zeitzonen überfliegen, dann ist das ein kleineres Problem. Denken Sie einfach dran, dass Sie pro Stunde Zeitunterschied einen Tag benötigen um sich anzupassen. Ach, und dann wäre ja noch die Klimaanlage, die schon manchen Athleten um die Ernte seiner Arbeit gebracht hat. Ich habe das ganz extrem in Tokio bei der WM 1991 erlebt. Es war meine erste WM und ich hatte entsprechend viel gelesen was die Akklimatisierung anging. Temperaturen bei 34-35 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von 80-95% - hört sich fast nach Dampfsauna an. Die Gefahr liegt darin, dass man beim Aufenthalt im Hotelzimmer ständig die Klimaanlage laufen lässt mit dem Hintergedanken sich nur so erholen zu können. Aber man kühlt sehr schnell aus, bekommt trockene Atemwege und ist so viel anfälliger für Erkältungskrankheiten. Lösung? Klimaanlage auf Full Power sobald man das Zimmer verlässt und während der Schlafenszeit ausmachen. Wenn es zu stickig wird, dann auf die kleinste Einstellung schalten und bis auf einen kleinen Schlitz alles dicht machen. Damit Sie keinen Zug bekommen. Für die Erholung brauchen Sie natürlich kühle Temperaturen, aber die Mischung macht’s. Mehr hilft mehr ist da fehl am Platz.

Wenn wir schon bei exotischen Temperaturen sind. Sollte Ihr Gepäck bei der Ankunft fehlen, ersparen Sie sich einigen Ärger, wenn Sie wichtige Dinge im Handgepäck mit sich führen. Kleinigkeiten wie Wettkampfschuhe, evtl. Einlagen, kurze Hose, Trikot, Socken, Zeitmess-Chip, Pulsuhr und die Wettkampf-Anmeldung. Stellen Sie sich folgendes vor: Sie haben sich lange auf Ihren Start vorbereitet, viel Geld für die Reise bezahlt und müssen nun auf Ihre eingelaufenen Laufschuhe oder die orthopädischen Einlagen verzichten. 1990, auf einer Reise zu einem Lauf auf der Karibikinsel Barbados, hat sich mein Koffer irgendwo über dem blauen Ozean in Luft aufgelöst. Ich musste ohne meine gewohnten Einlagen in eilig erworbenen, neuen Schuhen an den Start gehen, was mir schmerzende Füße und jede Menge Blasen bescherte. Der Koffer? Den habe ich nie wieder gesehen!

Gute Reise,

Ihr Stéphane Franke

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